Auch für mich gibt es nach vielen Berufsjahren noch Ziele, die ich das erste Mal bereise und es stellt sich die spannende Frage, ist „first time“ auch „first love“? Nun denn, wir werden sehen, was die Gruppenreise mit 28 „Wiederholungstätern“ in den kommenden 12 Tagen noch bringen wird. Der anstehende Tapetenwechsel vermochte auf jeden Fall die Freude auf die kombinierte Rund- und Badereise nach Sri Lanka, der Perle im indischen Ozean, vollends aufkeimen lassen, so dass die 10 Flugstunden mit Emirates über Dubai billigend in Kauf genommen wurden.

Über Nacht erreichten wir den internationalen Flughafen von Colombo. Es war noch recht früh am Morgen, doch die warmherzige Begrüßung unseres örtlichen Reiseleiters war nicht alles, was im Laufe der Tage noch warm, mitunter heiß, werden sollte. Janaka stellte sich vor: ein versierter Reiseleiter mit 25 Jahren Berufserfahrung und einem großen Wissensschatz, aber auch einer zwischenmenschlichen Ader, sich auf uns einzustellen und sein Wissen in der richtigen Dosis zu vermitteln.

Zugegeben, unsere orientierende Stadtrundfahrt durch das rund eine Stunde vom Flughafen entfernte Colombo diente auch einem gewissen Zweck, denn die Zimmer im Hotel waren erst am frühen Nachmittag bezugsfertig. Nichtsdestotrotz führte Janaka uns kurzweilig in die Geschichte und die Quirligkeit der Landeshauptstadt ein. Am Nachmittag erreichten wir dann eines der traditionsreichsten Hotels und vielleicht das älteste Hotel östlich des Suez Kanals, das Galle Face Hotel. Wir wurden spontan aufgesogen vom Charme einstiger kolonialer Epochen und verliebten uns, nicht zuletzt wegen der letzten Renovierungen, in dieses Stück Geschichte. Am Abend lud ich gerne zum Aperitif ein und wir genossen das Abendessen im offenen Verandah-Restaurant. Bei einigen „Reisefreunden“ reichten die Kräfte sogar noch für einen Drink an der Bar, wo sich die Reichen und Schönen der Stadt mit uns Touristen mischten.

Die Rundreise startete… die Tageskilometer waren nie zu ambitioniert, aber das durften sie auch nicht sein, denn bei 35 Kilometern pro Stunde im Durchschnitt kann man sich eine Vorstellung davon machen, was es heißt, einen Bus durch Heerscharen von Mopeds, Tuk Tuks, Hunden, Fußgängern und lokalen Linienbussen zu manövrieren, die alle mehr oder minder ihre eigenen Interessen auf der Straße im Vordergrund sahen. Unser erster Stopp hatte es sogleich in sich. Der absolut sehenswerte, aber nicht für alle Nasen „riechenswerte“ Fischmarkt von Negombo stand auf dem Programm. Hier wurde der von mehr oder minder kleinen Fischerbooten eingebrachte Tagesfang nicht nur verkauft sondern auch am Strand getrocknet. Nach diesen tollen Fotomotiven ging es ins Kokospalmendreieck. Hier stand eine kurze Besichtigung einer Kokosfabrik auf dem Programm, wo die Tagesarbeit allerdings schon ruhte, obwohl heute keiner der 138 Feiertage auf Sri Lanka war. Das Wasser der Königskokosnuss wurde natürlich dennoch gekostet und milderte die Schärfe des Mittagsbüffet auf angenehme Art und Weise. Am Nachmittag erreichten wir unser Hotel in Habarana und erfreuten uns am Lodgeambiente, am offenen Restaurant, dem schönen Infinitypool und an der Geburtstagsrunde eines Mitreisenden.

Für den nächsten Tag stand ein erstes Weltkulturerbe auf dem Programm. Es galt den Löwenfels von Sigiriya zu erkunden. Zweifelsohne ein Magnet und sozusagen ein Pflichtprogramm einer jeden Rundreise. Je näher man diesem 200 Meter aus der Ebene herausragenden „Inselberg“ kommt, desto größer wurden die Selbstzweifel, ob wir die Besteigung schaffen. Und so geschah es auch, dass die Gruppe je nach körperlicher Konstitution unterschiedlich hoch hinauswollte. Alle diejenigen, welche nicht nur die 1500 Jahre alten Fresken der Wolkenmädchen sahen, sondern auch noch durch die Löwenpfoten den letzten Aufstieg auf das Plateau schafften, waren beglückt von der Weitsicht und den Ruinen der einstigen Festung. Nachdem unsere Fahrer uns mit frischem Obst empfingen ging es zu einem Farmerrestaurant, wo wir uns mit „rice and curry“ stärken konnten. Am Nachmittag besuchten wir noch die zweite Hauptstadt der goldenen Ära im 11. Jahrhundert, Polonnaruwa, mit seinen Palastanlagen, der Dagode und dem Tempel mit einer imposanten Statue eines liegenden Buddhas. Ganz landestypisch nutzen wir heute Tuk Tuks, um die Strecken zwischen den Sehenswürdigkeiten nicht zu Fuß zurücklegen zu müssen.

Ein neuer Tag begann mit einem weiteren Abenteuer, denn in Hiriwadunna unternahmen wir eine Zeitreise ins bäuerliche Leben. Zunächst mit Ochsenkarren und dann per Einbaum-Boot ging es zu einem authentischen Wohnhaus, wo man uns die Zubereitung eines Currys zeigte und uns zur Verkostung einiger Gerichte einlud. Ein weiterer Höhepunkt war – in Tempelbekleidung und barfüßig – der Besuch des Felsentempels in Dambulla. An die 160 Buddhastatuen und die sehr gut erhaltenen Wandmalereien sind Grund für einen Besuch und den Status eines UNESCO Weltkulturerbes. Der Besuch eines Gewürzgartens in Matale, eine Schulstunde über die Heilkräfte der Pflanzen als auch eine Massagekostprobe rundete den Tag ab und wir erreichten Kandy.

Wer in Kandy weilt, besucht den Zahntempel, in welchem eben ein Zahn Buddhas als Reliquie verwahrt und verehrt wird. Inmitten der Gläubigen schoben wir uns förmlich am Schrein und den betenden Buddhisten vorbei und waren fasziniert vom Trommel- und Trompetenspiel. Hiernach besuchten wir unweit vom Stadtzentrum, aber im Stau kaum nahbar den berühmten botanischen Garten von Kandy. Sozusagen als Zugabe besuchten die Interessierten am Nachmittag noch eine Aufführung der berühmten Kandytänze. Der Abend klang nach einem Abendessen von den ausnahmslos guten Büffets vergleichsweise früh aus, denn unser Zug ins Hochland verließ den Bahnhof am nächsten Morgen schon früh.

Für mich war es „der“ Höhepunkt der Reise. In gut drei Stunden erklomm unsere „Expresszug, 1. Klasse“ die rund 1400 Höhenmeter nach Nanu Oya. Bald schon wandelte sich die Landschaft: Berg- und Talpanoramen und Teeplantagen wechselten sich ab. Meine Sorge, dass an Bord des neuen Expresszug keine Fahrt mit offener Waggontüre möglich sei, stellte sich als falsch heraus. So „surfte“ ich immer wieder und war kaum dort vom Trittbrett wegzubekommen. In der frischen Luft des Hochlandes angekommen unternahmen wir zuerst den Besuch einer Teefabrik und stärkten uns am Mittag in einem Brauereiausschank mit lokalem Lion Bier und Nasi Goreng. Nach dem Check-In luden wir noch zum High Tea ins Grand Hotel ein, dort, wo Sri Lanka noch so „very british“ ist. Der Abend war schon fast kühl, was sich ab dem nächsten Tag wieder schlagartig ändern sollte.

Der Vormittag des nächsten Tages führte über das bei Backpackern zum Wandern beliebte Ella zurück ins Tiefland. Der Udawalawe Nationalpark stand auf dem Programm. Und wie es sich für eine Pirsch im offenen Geländewagen gehört, muss man ein Quäntchen Glück bei der Sichtung haben. Wir hatten Glück. Zahlreiche Elefanten und Wasserbüffel als auch unzählige Vogelarten kamen uns vor die Objektive. Ein schöner Tag endete mit warmen Farbtönen der untergehenden Sonne und einem Absacker an der Bar.

Nach unserem Frühstück konnten wir im Elephant Transit Home beobachten, wie die drolligen kleinen Waisenelefanten auf der Station mit Milch gefüttert wurden. Die Rundreise neigte sich dem Ende zu und es ging an die Küste. Als Überraschung tauschten wir für einige Minuten heute unseren luxuriösen Reisebus mit einem lokalen Linienbus, der uns untermalt mit der Lieblingsmusik des Busfahrers zu den Stelzenfischern im Süden fuhr. Hiernach statteten dem alten holländischen Fort in Galle einen Besuch ab und verabschiedeten uns am Abend von Janaka. Ihm galt unser Dank für die zurückliegenden, perfekten Tage. Nach der Rundreise war die Sehnsucht nach Entspannung groß und wir sollten unser Anliegen erfüllen, vielleicht sogar mehr als Erfüllen. Das 5-Sterne Resort Anantara in Kalutara erwartete uns. Ein Haus, wo die sprichwörtliche asiatische Gastfreundlichkeit GROSS geschrieben wurde. Ein Heer von Bediensteten und Tänzerinnen hießen uns mit einem „Ayubowan, lang sollst Du leben“ willkommen. Die großzügig zugeschnittenen Zimmer waren top und das Programm ohne festes Programm kam sehr gut an. Kulinarisch war der Besuch des Spice Traders als Farewelldinner zum Ende der Reise eine gute Wahl. So war es das sprichwörtliche Lachen und Weinen zugleich, als wir am Morgen des letzten Tages den Rückweg via Dubai antraten.

War es jetzt die erste Reise, die zu einer ersten Liebe für Sri Lanka wurde? Ich sage ja. Wenngleich es noch viele Eindrücke gibt, die Nachwirken werden. Ohne, dass ich selber zum Backpacker werde, so strahlten besonders diese Orte einen Charme aus, die von jungen Menschen aus aller Welt mit ihren Rücksäcken bereist werden. Sei es drum, im Homestay oder im Luxus-Boutique-Hotel, im Spa bei einer ayurvedischen Massage, beim Yoga oder einfach mit den Füßen im Sand, Sri Lanka ist eine Reise wert, „FIRST time, FIRST REISEBÜRO, FIRST Love“.

Dieser Blogbeitrag beschreibt eine Gruppenreise, grundsätzlich eignet sich die Insel schon ab 2 Personen für eine mit Driverguide geführte Rundreise oder für einen Badeaufenthalt an den Küsten des Landes.

Euer Fernweher

Dirk