Studienreise… Was ist das eigentlich?

Diese Frage habe ich mir in Kapstadt beantwortet. Für mich ist es eine hochinformative Reise mit Gleichgesinnten, vielen einzigartigen Eindrücken, tollen Locations und enorm vielen Emotionen. Bevor Du aber jetzt das Suchen nach Studienreisen anfängst, nehme ich dich gerne mit auf Meine – nach Kaptstadt.

Oh Gott!!! South African Airways!!! Keine deutsche Fluggesellschaft? Der erste Gedanke von Vielen, mit denen ich vor meinem intensiven Kurztripp nach Kapstadt gesprochen habe. Ich ließ mich nicht beirren, schließlich kannte ich vorher nur Gutes! Natürlich bestätigte sich das auch an Bord. Viel Sitzabstand, sehr freundliches Personal, sogar drei warme Gerichte zur Auswahl und ein herausragend großes Angebot an Wasser während des Fluges – meine Reise begann sehr entspannt.

Bei leichtem Nieselregen, den Kapstadt dringend nötig hat, landete ich nach einem angenehmen Flug. Da man über Nacht fliegt und es keine Zeitumstellung gibt, macht einem der Langstreckenflug kaum etwas aus – ein großes Plus. Bereits am Flughafen begrüßte unsere Reiseleitung Cynthia die Gruppe. In Kapstadt geboren, in Deutschland aufgewachsen und studiert wusste Sie gefühlt Alles! Unglaublich sympatisch haben wir schon auf der Busfahrt zum Hotel einige wichtige Infos zur Region und Reise bekommen. Ich habe schnell festgestellt, Cynthia ist das Goldstück der Reise. Cynthias kennt Jeden und Jeder kennt Cynthia. Der erste Tag wurde übrigens mit einem traumhaften Sundowner in Camps Bay abgerundet. Im Restaurant „La Parada del Mare“ bekamen wir einen Vorgeschmack, die Betonung liegt auf Geschmack, auf die Essensqualität in Capetown. Die Auswahl an Fingerfood für unsere Gruppe war schwer zu topen. Natürlich wurde ich im Laufe der Reise eines Besseren belehrt.

Viele tolle neue Eindrücke – eine kurze Nacht und ein straffes Programm am nächsten Tag – „Ab nam Bett!“

Nach einer kleinen Vorstellungsrunde brachte uns der Bus ins Graphity-Viertel von Kapstadt. Studienreise heißt nämlich nicht nur tote Steine schauen, sondern auch mit dem Puls der Zeit reisen und entdecken. Viele künstlerische Graphitys, tolle Persönlichkeiten und ergreifende Geschichten fesselten mich auf der Tour durch das Viertel, welche von einem Jungkünstler gestaltet wurde, der an einem Projekt in Kapstadt teilnimmt. Das Projekt vergibt Stipendien an Künstler. Diese dürfen kostenfrei in der Anlage wohnen, müssen quasi mit ihrer Kunst und der Weiterentwicklung bezahlen. Das ermöglicht vielen eine Zukunft.

Next Stop – Foodmarket
Der Neighbourgoods Market im Old Biscuit Mill ist eine Reizüberflutung für Augen, Ohren, Nase und natürlich Gaumen.
Viele kleine Stände um Souvenirs zu kaufen, tolle Bands die Musik spielen und im hinteren Teil das absolute Highlight, der Foodmarket. Delikatessen aus aller Welt, Gerüche von verschiedensten Kontinenten und Kreationen bei denen einem die Ohren flattern. Man kann sich für die biologisch angebauten und hausgemachten Pommes entscheiden, BBQ, Chiabatta mit Pulled Pork, Crepes, Asia-Food, Veganes Essen, Süßes, Fruchtiges und und und…

Für die „Kulturis“ ging es nach der Stärkung weiter ins neuste Museum Zeitz Mocaa. Ich wollte unbedingt ein paar Minuten an der Victoria & Albert Waterfront verbringen und das Treiben der Captonier beobachten. Das alte Hafenviertel lädt Jeden zum Verweilen ein und auch die Seehunde lassen sich nicht zweimal bitten und faszinieren mit ihrem lautstarken Gesang…. und dem einzigartigen Geruch 😉

In kleinen Gruppen führten uns unterschiedliche Themen ins Herz Kapstadts. Jede Gruppe probierte ein anderes Restaurant und eine andere Essensrichtung aus. Jede Gruppe war begeistert. Mein Fazit: Kochen kann Kapstadt. Und noch Etwas finde ich bemerkenswert. Man kann in jedem Restaurant seine Essensreste für Obdachlose einpacken. Es ist Gang und Gebe, dass Essenreste in einer Art Care Paket auf den nächsten Mülleimer gestellt werden. Normalerweise dauert es keine Viertelstunde und man hat einem Obdachlosen eine Freude gemacht und das Essen wurde nicht verschwendet.

Der nächste Tag stand wieder im Zeichen der Einheimischen.
Ich habe mich zwischendurch gefragt, welche Region ich so intensiv kennen gelernt habe, wie Kapstadt. So viele Einheimische haben uns einen Einblick in ihr Leben geschenkt, egal aus welcher Schicht sie stammen. Die Gastfreundlichkeit war überall herzerweichend. Genauso in Bo-Kaap. Das Viertel, welches von Kapmalaien besiedelt wurde, erstrahlt mit seinen bunten Fassaden jedes graue Gemüt. So Vielseitig die Natur der Region ist, so ist Sie übrigens auch kulturell sehr bunt. In Bo-Kaap wohnen 90 % Muslime, auf der circa einen Quadratkilometer großen Fläche findet man insgesamt 10 Moscheen. Mit einer Sondergenehmigung und vielen netten Worten von Cynthias durfen wir sogar einen Blick in eine typische Moschee werfen. Das darf sonst keiner. Staunen pur!!! Anschließend eins meiner Highlights auf der Reise! Kochen einiger traditioneller Gerichte in einer einheimischen Familie. Wie das duuuuftet. Die Mutter der Familie wusste zu jedem Gewürz die Wirkung auf den Körper und wofür es sonst noch so gut ist.

Nach diesem Erlebnis wurde es etwas aktiver! Mit dem Bus ging es nach Stellenbosch, dort hat sich jeder ein Fahrrad geschnappt und ab die Post, durch Stellenbosch! Über Stock und über Stein, an der wunderschönen Universität vorbei (kurz habe ich überlegt das Studieren nochmal anzufangen, natürlich nur in Stellenbosch), radelten wir Richtung Weingut um uns an einem Wineblending zu versuchen. Gar nicht so einfach einen eigenen Wein zu mischen. Womit wurden wir belohnt? Natürlich mit Essen und einem tollen Sonnenuntergang. Das südafrikanische Barbecue ist schon eine Geschmacksexplosion.

Sollte der nächste Tag schon unser letzter Tag werden? Was stand auf unserem Progamm?! Luxus meets Township und das Wahrzeichen – der Tafelberg.
Aber fangen wir mal vorne an. Der Rovos Rail – wer hat noch nicht von diesem Luxuszug gehört, der im Privateigentum von seinem Besitzer Rohan Vos ist. Der nette Herr, der optisch viel Ähnlichkeit mit Prinz Charles hat begrüßte die Gruppe am frühen Morgen mit Champagner und Häppchen. Zwischen der abreisenden Gruppe und den neuen Gästen liegen meist nur wenige Stunden, sodass wir uns sputen mussten um den Zug zu besichtigen. Nach wenigen Waggons ist mir klar geworden: Sparen, sparen sparen! So eine Reise möchtest du auch mal machen.

Geerdet hat mich dann der Besuch des Townships Langa. In mir herrschte lange ein innerer Konflikt zwischen: „Oh Gott“ und „Die Armen“ und „Ich fühle mich wie im Zoo, muss das sein?“. Da ich selbst nicht wusste, wie ich damit umgehen sollte, habe ich Cynthia angesprochen und Sie hat mir die Situation nochmal erklärt. Da verstand ich: Es ist wichtig die Townships zu besuchen! Die Familien bekommen mehr als eine Monatsmiete für den Besuch. Und die Familienbindung in den Townships ist so groß, dass selbst Mitglieder, die es finanziell schaffen würden, in den Townships wohnen bleiben und sich dafür Luxusgüter, wie einen Fernseher oder ein Auto leisten, statt ihre Familie zurück zu lassen. Mein Gefühl wurde besser, unsere Gruppe wurde stets begleitet von lachenden und spielenden Kindern und wir taten etwas Gutes.

Leider wollte der Wind uns am letzten Tag nichts Gutes! Doch kurzer Hand wurde das Programm umgeschmissen, ein kleines Care Paket wurde gepackt, der Bus wartete und wir fuhren nach Simons Town! Pinguine! Die wohl süßesten Tiere der Welt. Vielleicht konnte ich endlich meine Frage: „Haben Pinguine Knie?“, beantworten. Vorweg JA! haben Sie, Sie können sie nur nicht benutzten. Ohne auch nur einen Pinguin zu sehen, wussten wir, wo sie sich aufhalten. Sowohl an den Geräuschen der Pinguine, als auch dem Gequietsche und „OHHHH!“, „How Sweet!!!“ und weiteren Verniedlichungen der anderen Gruppen. Hatte ich gesagt, das es EIN Highlight auf der Reise gab? Nein, die Reise bestand ausschließlich aus Highlights! Ich war glücklich. Satt ist man noch glücklicher. Also gab es für die Gruppe das letzte gemeisame Abendessen. Wir wurden am Ende des Abends alle etwas stiller, musste doch jeder seine Eindrücke der Reise noch etwas sortieren und Revue passieren lassen.

Der nächste Tag hieß Abschied nehmen… Doch das wurde noch etwas verschoben. Das Wetter war so gut, dass wir noch schnell die Gondel nahmen zum Tafelberg. Mit einem sympatischen und witzigen Gondelführer und auflockernder Raggeamusik kamen wir dem Felsplateau immer näher. Diese Aussicht ist einfach atemberaubend! Keine Postkarte kann diesen Moment wiedergeben und kein Bild ihn festhalten. Jetzt war ich bereit nach Hause zu fliegen.

In den Tagen vor Ort habe ich mich verliebt, in liebenswerte und sympathische Menschen; in eine atemberaubende Stadt; in unterschiedlichste Kulturen und Völker; in die faszinierende Landschaft; in die Vielseitigkeit der Region; in Kapstadt!